1908 bestand die Freiwillige Feuerwehr Fechingen schon mindestens 4 Monate. Sie mußte gegen Ende Dezember 1907 von Johann Karl Jakobi gegründet worden sein, denn die frühesten nachzuweisenden Eintrittsdaten stammen von Heinrich Harig, Christian Ebersohl, Hermann Feix I., Ludwig Seegmüller und Ludwig Jakobi, welche am 29.12.1907 in der Freiwilligen Feuerwehr aufgenommen worden waren.
Diese blieben 2 Jahre Feuerwehranwärter, bis sie offiziell zu Feuerwehrmännern befördert wurden. Im Jahre 1908 waren schon über 21 Männer bereit, ihre Kräfte in den Dienst der Feuerwehr zu stellen.
Am 8. Dezember 1912 wurde erstmals die Errichtung einer Feuerwehrsterbekasse von Bürgermeister Becker (1904-1922) erwogen, welche am 1. April 1813 in Kraft trat; nach der "Satzung der Freiwilligen Feuerwehr der Bürgermeisterei Bischmisheim zu Brebach" ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr, denn es wurde hiermit erstmals eine materielle Absicherung (im Falle eines Todes) für die Verwandten, bzw. Angehörigen geschaffen (siehe Anhang 3).
1908 wurde für die Freiwillige Feuerwehr Fechingen, unter dem Vorsitz des Brandmeisters Schmelzer (1908-1915), eine fahrbare Handpumpe, ein Schlauchwagen und ein Leiterwagen von der Gemeinde besorgt. Jedoch mußten diese Geräte immernoch zur Einsatzstelle gezogen werden. Das benötigte Wasser zur Brandbekämpfung wurde weiterhin per Ledereimer zur Pumpe befördert, welche von 8 Männern bedient werden mußte.

Letzter Angriff mit der historischen Handpumpe 1957
Die Alarmierung der Feuerwehrmänner wrde von 1908 bis 1910 bei Großfeuer durch Sturmglocken und bei Kleinfeuer durch Signale und Zurufe sichergestellt. Die Alarmierung durch das Signalhorn wurde in Fechingen zuerst von Emil Segmüller, 1940 von Walter Krämer, übernommen.
Das Signalhorn wurde jedoch nicht nur als Alarmierungsmittel eingesetzt, sondern auch als "Befehlsübermittler" über weite Strecken. Im Jahre 1910 sollten zusätzlich Feuermelder installiert werden.
Im selben Jahr wird erstmals eine Hauptübung im Amtsbezirk Brebach urkundlich erwähnt. Solch eine Haupt- bzw. Schlußübung wurde von nujn an jedes Jahr durchgeführt (außer in den Kriegsjahren), die nächste am 28.05.1911 wieder in Brebach, wobei 20 Wehrmänner aus Fechingen an ihr teilnahmen.
1912 hielt die Technik Einzug; der Freiwilligen Feuerwehr Fechingen wurde eine Schlauchtrockenvorrichtung ihrer Bestimmung übergeben, welche im Gerätehaus in der Provinzialstraße 113 (heute Standort des Kelterhauses) in Betrieb genommen wurde.
Innerhalb eines halben Jahrzehntes verdoppelte sich nun fast die Anzahl der Feuerwehrmänner, sodass die Mannschaftsstärke im Jahre 1913 39 Personen betrug.
Diese Stärke fiel jedoch rapide bis zur Mitte des darauf folgenden Jahres auf 12 Mann, da viele auf Grund des Ersten Weltkrieges eingezogen wurden; unter ihnen auch Brandmeister Schmelzer, welcher 1915 in Flandern den Tod fand. Die Mannschaftsstärke nahm immer mehr ab, bis man 1917 eine Stärke von 4 Mann erreicht hatte. Diese kleine Feuerwehr, seit 1915 unter der Führung von Johann Karl Jakobi, welcher unter Brandmeister Schmelzer stellvertretender Wehrführer war, hatte im Ersten Weltkrieg mit 6 Kleinfeuern, 7 Mittelfeuern und 5 Großfeuern zu kämpfen, welche größtenteils durch Bombenabwürfe feindlicher Flugzeuge entstanden waren.

Johann Karl Jakobi 1928
Diese hohe Anzahl der Bombenabwürfe ist auf den Standort der Halberger Hütte zurückzuführen, welche als eisenschaffende Industrie zerstört werden sollte.
Nach Beendigung des Krieges 1919 stieg die Anzahl der Feuerwerhangehörtigen auf 25 und im darauf folgenden Jahr sogar auf 40 Personen. Die Wehr hatte somit ihre "alte Stärke" wie vor dem Kriege erreicht.
Im Jahre 1927 wurde erstmals die Arbeit der Feuerwehrmänner entscheident erleichtert; es wurde eine feste Wasserleitung in Fechingen installiert. Nun konnte man nicht nur aus dem Fechinger Bach, sonder auch aus Hydranten Wasser entnehmen.
Die meisten Brände wurden nun durch den Druck der Wasserleitung ohne Handpumpe gelöscht, d. h. man braucht die Hanpumpe nicht mehr zur Einsatzstelle zu transportieren und das Bedienungspersonal der Pumpe, sowie die Männer zum Anreichen des Löschwassers, konnten für andere Aufgaben freigestellt werden. Gleichzeitig sparte man noch Kraft und Zeit auf dem Anmarsch zur Brandstelle ein.
Im gleichen Jahr fuhr man zum Provinzalverbandstag nach Kreuznach. Hier trafen sich Feuerwehrangehörtige aus allen Teilen der zu dieser Zeit bestehenden Rheinlandprovinz.
Auf diesen Verbandstagen traf man sich, um sich kennenzulernen, zu feiern und über die einen oder anderen Probleme und Neuigkeiten des Feuerschutzes und der Brandbekämpfung zu diskutieren. So wurden alljährlich Informationen ausgetauscht, welche für jede Wehr nützlich gewesen waren, vielleicht sogar zu Fortschritten in der Brandbekämpfung der einzelnen Gemeindefeuerwehren verhalfen.
Gleichen Charakter besaß der Kreisverbandsfeuerwehrtag von 1928 in Saarbrücken, welcher ungefähr mit dem heutigen Stadtverbandsfeuerwehrtag zu vergleichen ist. Diese Feuerwehrtage wurden jedes Jahr in verschiedenen Teilen des Kreisverbandes gefeiert, so dass der nächste für den 23.06.1929 nach Dudweiler vergeben wurde.
Beide Feuerwehrtage wurden von der Freiwilligen Feuerwehr Fechingen mit großem Anklang besucht.
3 Tage später fand zum ersten Mal in Fechinhgen eine Hauptübung statt. Man sieht, dass der frühere Feuerwehrmann auch schon viel Zeit für sein "Hobby", zum Leidwesen seiner Ehefrau und Familie, aufbringen mußte.

Im Jahre 1932 kam es zum Führungswechsel:
Hermann Feix I. wurde zum Wehrführer und Karl Ludt zu seinem Stellvertreter ernannt.
Ein Jahr später, am 20.05.1933 konnte die Freiwillige Feuerwehr Fechingen auf 25 Jahre Brandschutz zurückschauen. Dieses Jubiläum wurde mit einem Festzug von der Turnhalle Neufechingen bis zur "Roten Schanz" in Brebach und einem Festkommers im evangelischen Gemeindehaus in Brebach gefeiert.
Am 1. September 1935 wurde eine neue Mustersatzung, welche am 15.12.1933 entstanden war, verkündet und unterschriftlich anerkannt.
Im gleichen Jahr wurde seit längerer Zeit wieder einmal die Feuerlöschgeräte überprüft. Es waren vorhanden:
1 fahrbare Saug- und Druckspritze, 2 Schlauchkarren, 1 Leiterwagen, sowie 180 m Schlauchmaterial.
1939 wurden im Amtsbezirk Brebach die ersten Luft,- Feuerschutzsirenen eingeführt.
Bis zum Zweiten Weltkrieg 1939/40 ergaben sich keine weiteren Veränderungen; auch blieben die Gemeindefeuerwehren im normalen Stärkeverhältnis, d. h. für die Freiwillige Feuerwehr Fechingen standen 49 Mann und 1 Brandmeister zur Verfügung (siehe Anhang 4). Dies änderte sich jedoch schlagartig mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.
Durch den großen Ausfall von Wehrmännern (1943 waren es nur noch 5 Feuerwehrleute), mußten Dienstverpflichtungen ausgesprochen werden, d. h. jeder Wehrführer einer Amtswehr hatte die Möglichkeit, Personen aus der Bevölkgerung als Feuerwehrleute zu verpflichten, welche an Übungen und bei Bränden helfen mußten. Niemand konnte sich einer solchen Verpflichtung entziehen.
Hierdurch erhielt die Freiwillige Feuerwehr Fechingen den Charakter einer Pflichtfeuerwehr. Die einzige, heute noch in den Archiven vorhandene Brandmeldung (siehe Anhang 5) handelt über den Brand des Ekonomiegebäudes von Fritz Quartz, Schmiedemeister zu Fechingen, welcher in der Nacht vom 28. zum 29.08.1942 durch einen Bombenabwurf verursacht wurde. Das entstandene Feuer konnte innehralb 1 1/2 Stunden durch 14 Feuerwehrleute und 23 Angehörige der HJ-Feuerwehr gelöscht werden. Ein beachtlicher Verdienst, wenn man bedenkt, daß jederzeit ein neuer Angriff erfolgen konnte.
Im Endkriegsjahr 1945 wurde allen zurückgekehrten Feuerwehrmännern bewußt, dass man die Freiwillige Feuerwehrn nur durch ein starkes Engagement daran hindern konnte weiter zusammenzubrechen. So ging man mit erstaunlicher Zähigkeit daran, die übrig gebliebenen Ausrüstungsgegenstände und Geräte zu reparieren. Leider waren in diesem Jahr erst wenige Feuerwehrmänner aus dem Krieg zurückgekehrt, um ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Zu ihrer Erleichterung fanden sie 2 fahrbare Handdruckspritzen, 1 Schlauchwagen (Anänger), 230m C-Schlauch (aus Hanf), 4m Saugschlauch, 1 Schiebeleiter, 1 Anstelleiter, 1 Hakenleiter, 2 Standrohre, 4 C-Rohre, 1 Verteiler und 1 Einreißhaken vor. Wenn man diese Ausrüstung mit der heutigen vergleicht, so stellt man fest, dass man zu dieser Zeit mit sehr primitiven Geräten dem Feuer Einhalt gebieten mußte